Sonderausstellung in der Villa Facius: Flucht und Vertreibung
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Die Sonderausstellung zeigt die Auswirkungen von Krieg und Gewalt zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
Insgesamt verloren 14 Millionen Deutsche in einem Zeitraum von 1944 bis 1947 ihre Heimat, und davon nicht wenige auf Flucht und Vertreibung ihr Leben. Die meisten von ihnen waren Frauen mit Kindern und Kleinstkindern sowie Greise. Sie flüchteten zumeist mit wenigen Habseligkeiten und kamen nach den Strapazen der Märsche - welche oftmals eine Gesamtlänge von mehreren hundert Kilometern hatten und meist zu Fuß durchgeführt wurden - in den noch vor Kriegsende festgelegten Auffangorten und -lagern an.
Doch dort angekommen, waren sie vor den Kriegshandlungen noch immer nicht sicher.
Im Zeitraum zwischen Anfang Februar bis April 1945 wurden die vermeintlich sicheren Rückzugsgebiete erst durch Bombardements der alliierten Luftstreitkräfte für Leib und Leben gefährlicher. Ab April 1945 stieß die US Army mit Landstreitkräften schnell bis in die Umgebung um Lugau und nach Lugau vor.
Gegen die herannahenden kriegs- und kampferprobten Militäreinheiten der amerikanischen Streitkräfte, sollten auch hier noch Abwehrkämpfe den sogenannten „Endsieg“ bringen. Dafür wurden sowohl langjährige Bewohner der hiesigen Städte und Gemeinden, als auch die damals so bezeichneten Ausgebombten, Evakuierten, Rückgeführten und Umquartierten, zum Teil noch als „Freiwillige“ der Hitlerjugend (HJ) oder des Volkssturms ein- bzw. zusammengezogen.
Die hier gezeigte Sonderausstellung geht im wesentlichen Teil auf die Schicksale der Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten, im speziellen den geflüchteten und vertriebenen Schlesiern ein, welche den überwiegenden Teil der gesamten in Sachsen angekommenen Menschen zwischen 1944 und 1947 ausmachten. Nicht vergessen sind dabei die Männer, die als Soldaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus Kriegsgefangenschaften erst später als sogenannte Heimkehrer nach Sachsen kamen.
Grundlage für die hier gezeigte Sonderausstellung bildet das Buch Abschied von Lübchen – Bilder einer Flucht aus Schlesien von Lucia Brauburger. In diesem Buch wurden Fotografien veröffentlicht, die durch den zur damaligen Zeit sehr bekannten Fotografen Hanns Tschira und seinen Mitarbeiterinnen entstanden. Der Fotograf und seine Mitarbeiterinnen flüchteten selbst aus diesem Gebiet. Sie waren Teil dieses Trecks. Dadurch war es möglich, diese Flucht aus Schlesien durch Bildmaterial der Nachwelt zu erhalten.
Dieser Treck aus Lübchen erreichte Neuoelsnitz am 20. Februar 1945.
Ein Teil der Fotografien aus diesem Buch sind im Besitz des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung (Berlin).
Es ist dem Kurator gelungen, diese Fotografien für diese Sonderausstellung zu erhalten und den Besuchern in einer angemessenen Form zu präsentieren.
Die Endgültigkeit der neu errichteten Grenze zu Polen, machte eine Rückkehr in die ehemaligen Heimatgebiete nahezu aussichtslos. Viele der nun hier in Sachsen untergebrachten Menschen aus Schlesien versuchten sich eine neue Bleibe aufzubauen.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann eine neue Form der Spannungen zwischen den alliierten Besatzungsmächten. Die Suche nach Uran wurde durch das Ministerium des Inneren der UdSSR in Sachsen vorangetrieben. Im Erzgebirge fanden viele Schlesier in der später gegründeten SAG bzw. SDAG Wismut Arbeit. Auch dieses Kapitel wird in dieser Sonderausstellung mit einigen Dokumenten unterlegt.


